Aminosäuren sind Proteinbausteine, die eine Vielzahl von Funktionen im Stoffwechsel erfüllen – so auch im Gehirn und im Nervensystem. Aminosäuren sind Baumaterial wichtiger Nervenbotenstoffe, die für Aufmerksamkeit und Gedächtnis unerlässlich sind; manche Aminosäuren fungieren selbst als Botenstoffe.

Die Aminosäure Arginin hat in den letzten Jahren eine besondere Beachtung gefunden, nachdem man entdeckt hat, dass aus Arginin das Signalgas Stickstoffmonoxid (NO) gebildet wird. Dieser gasförmige Botenstoff spielt nicht nur eine wichtige Rolle für die Funktionsfähigkeit der Blutgefäße, sondern ist auch von großer Bedeutung für das Immunsystem und für die Gedächtnisbildung.

Gute Stimmung, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistung, Verhalten, Fähigkeit zur Kreativität – all diese Eigenschaften, die wesentlich einen Menschen prägen, sind in höchstem Maß von einem ausgewogenen Neurotransmitterstoffwechsel abhängig.

Ein Mangel an Aminosäuren ist nicht ungewöhnlich. Meistens sind einige wenige Aminosäuren vermindert, was aber erhebliche Folgen für den Hirnstoffwechsel nach sich ziehen kann wie Aggressionen, Unruhe, Verhaltensauffälligkeiten, Lernstörungen etc.

Eine Ergänzung der fehlenden Aminosäuren kann ein Aminosäurendefizit beheben. In Doppelblindstudien hat sich beispielsweise die Gabe der Aminosäure Tryptophan oder die Vorstufe 5-HTP als ähnlich effektiv erwiesen wie ein Psychopharmakum. Die Verabreichung von Tyrosin verbessert die geistige und physische Leistungsfähigkeit unter Stress besser als Kaffee, und Glutamin, aus dem der beruhigende Botenstoff GABA (Gamma-Amino-Buttersäure) gebildet wird, erwies sich als wirksam gegen Angstgefühle.

Für die Umwandlung der Aminosäuren in Botenstoffe werden Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente mit Hilfe von Enzymen verstoffwechselt. Die Bildung der Neurotransmitter ist sehr komplex, deshalb ist es notwendig, dass alle erforderlichen Mikronährstoffe dem Stoffwechsel in einer ausgewogenen Konzentration zur Verfügung stehen.

Warnung: Die Gabe von Aminosäuren in therapeutischen Dosen darf nur aufgrund einer Laboranalyse erfolgen. Es kann sonst ein gesundheitsschädliches Aminosäurenungleichgewicht entstehen!

 

Neurotransmitter Funktion Gebildet aus folgender Aminosäure oder selbst Neurotransmitter
 
Serotonin Hellt Stimmung auf, Schlaf-Wach-Rhythmus
 
Tryptophan
Dopamin

Aufmerksamkeit, Verhalten, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität, Motivation,Stressbewältigung
 

Tyrosin/ Phenylalanin
Adrenalin/Noradrenalin Stimmung, Motivation, Reaktion, Stressbeswältigung
 
Tyrosin/ Phenylalanin
GABA Beruhigender, entspannender Effekt
 
Glutamin
Glutaminsäure Lernfähigkeit
 
Glutaminsäure
Acetylcholin Gedächtnisleistung, Cofunktion im Neurotransmitterstoff-wechsel Serin

 

Gute Proteine für Ihr Kind

Eine ausgewogene proteinreiche Nahrung ist also immens wichtig für die Hirnleistung des Kindes. Gute Proteinquellen sind Milchprodukte, Tofu, Mais, Hülsenfrüchte, Vollkornreis, Quinoa u.a. Bei der Auswahl der Lebensmittel spielt die Qualität bzw. die biologische Wertigkeit der Proteine eine große Rolle. Darunter versteht man den Maßstab, mit welcher Effizienz ein Nahrungsprotein in körpereigenes Protein umgesetzt werden kann. Die biologische Wertigkeit hängt davon ab, ob ein Lebensmittel alle essentiellen Aminosäuren in ausreichender Menge enthält und ob die Konzentrationen aller enthaltenen Aminosäuren in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Je höher die biologische Wertigkeit eines Proteins ist, desto geringer ist die erforderliche Menge der Proteinaufnahme pro kg Körpergewicht. Durch eine geschickte Kombination können Lebensmittel mit einer relativ geringen biologischen Wertigkeit zu einer biologisch hochwertigen Mahlzeit werden – dann, wenn sich die Aminosäurenzusammensetzungen der jeweiligen Proteine ergänzen, z.B. Kartoffel und Ei, Mais und Bohnen etc.


Lebensmittel weisen nach einer Tabelle von Koerber et al, 2004, S. 83 folgende Wertigkeit auf:

 

Lebensmittel biologische
Wertigkeit
Vollei  100
Kartoffel  86
Edamer Käse  85
Milch  84
Soja  84
Schweizer Käse  83
Roggen  83
Reis  83
Grünalgen  81
Mais  76
Bohnen  73
Weizen  58