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Die Wirkung von
Mikronährstoffen bei ADHS
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| Bild: Doreen Salcher, fotolia.com |
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ADHS betrifft nach Kriterien des DSM-IV 4 bis
8 Prozent aller Schulkinder in Deutschland. Die Prävalenz von ADHS im
Erwachsenenalter wird mit 1,3 bis 4,7 Prozent angegeben. Nach dem
derzeitigen Erkenntnisstand ist die Aufmerksamkeitsdefizit-störung ein
multifaktoriell bedingtes Krankheitsbild. Für den Verlauf und die
individuelle Ausprägung spielen psychosoziale Faktoren und Umweltbedingungen
eine wichtige Rolle.
Viele Eltern und auch erwachsene Betroffene suchen nach Alternativen zu den
meist üblichen pharmakologischen Therapien mit Methylphenidat. Es gibt
mehrfache Hinweise aus Studien über den Zusammenhang der Versorgung mit
Mikronährstoffen und dem Auftreten und Schweregrad der ADHS-Symptomatik.
Durch eine gezielte Zufuhr geeigneter Mikronährstoffe konnte eine
Verbesserung der ADHS-Symptomatik erreicht werden. Aminosäuren, Vitamine und
Spurenelemente sind für den Neurotransmittermetabolismus und damit auch für
die psychische Befindlichkeit und Hirnleistungsfähigkeit von herausragender
Bedeutung. |
Durch eine entsprechende Mikronährstoffanalyse
können Defizite erkannt werden, wodurch dann eine individuelle Nahrungsergänzung
gewährleistet ist. Nach unserer langjährigen Erfahrung mit orthomolekularer
Labordiagnostik gibt es aber bei ADHS-Patienten kein einheitliches Muster für
Mikronährstoff-Defizite. Eine orthomoleku-
lare Therapie wird man meist parallel zu anderen therapeutischen Maßahmen
durchführen, z.B. zu psychologischen Therapien, Ernährungsbeatung,
Erziehungsberatung etc. Im Folgenden werden nun verschiedene Mikronährstoffe in
ihrem Bezug zur ADHS-Symptomatik auf der Grundlage von Studien vorgestellt, die
in Pubmed nachgelesen werden können oder aus der orthomolekularen Fachliteratur
stammen.
Glycin
Glycin ist ein inhibitorischer Neurotransmitter und Co-Agonist an
NMDA-Rezeptoren. Letztere spielen eine zentrale Rolle für das Lernen und für die
Gedächtnisbildung. Glycinsupplemente hatten in einer Doppelblindstudie einen
positiven Einfluss auf Gedächtnis und Aufmerksamkeit.
Lysin
Lysin ist eine essentielle Aminosäure, die für die Bildung der Collagene, des
Elastins und des Carnitins benötigt wird. Lysin hat auch einen Einfluss auf die
psychische Befindlichkeit. Es ist schon länger bekannt, dass Lysin als
partieller Antagonist an 5-HT4-Rezeptoren wirkt, die im Verdauungstrakt und im
limbischen System sitzen und für stressbedingte körperliche Reaktionen und
Verhaltensweisen mitverantwortlich sind. Eine unzureichende Lysinversorgung kann
zu einer verminderten Stresstoleranz und zu einer erhöhten Aktivität des
sympathischen Nervensystems führen, die sich durch eine Lysinsupplementierung
bessern lassen.
Phenylalanin/ Tyrosin
Phenylalanin ist die Ausgangssubstanz für die Tyrosinbildung. Tyrosin wiederum
ist das Vorläufermolekül für die Synthese der Katecholamine Dopamin, Adrenalin
und Noradrenalin. In einer kanadischen Studie von 1991 wurden erniedrigte
Konzentrationen von Phenylalanin und Tyrosin bei ADHS festgestellt. Dabei muss
aber erwähnt werden, dass zum Thema ADHS und Aminosäurenkonzentrationen bisher
nur wenige Studien vorliegen. In der Orthomolekularen Medizin wird eine
Phenylalanin- und/ oder Tyrosinsupplementierung häufig mit gutem Erfolg bei
verringerter kognitiver Leistungsfähigkeit, verminderter Stresstoleranz und bei
depressiven Verstimmungen eingesetzt.
Serin
Serin ist eine nichtessentielle Aminosäure. Sie lässt sich leicht in Glycin und
dieses wieder in Serin umwandeln. Serin ist die Ausgangssubstanz für die Bildung
von Cholin, Acetylcholin und Phosphatidylserin und spielt eine bedeutende Rolle
beim Methionin-/ Homocystein-Metabolismus. Die Methylgruppe des Serins wird für
die Bildung von 5-Methyl-THF aus THF benötigt. Somit ist die Remethylierung des
Homocysteins von der ausreichenden Verfügbarkeit des Serins abhängig. Ein
Serinmangel kann deshalb auch auf diesem Weg zu einer Beeinträchtigung des
Neurotransmittermetabolismus führen.
Taurin
Taurin ist ein Aminosäurenderivat, das aus Cystein gebildet wird. Es ist nicht
an der Proteinsynthese beteiligt, sondern befindet sich in freier Form im Blut
und in Geweben. Neben vielen anderen Funktionen wird Taurin heute sowohl die
eines Neurotransmitters als auch die eines Neuromodulators zugeschrieben, mit
ähnlichen erregungsdämpfenden Eigenschaften wie GABA und Glycin. Bei einer
Übererregbarkeit kann deshalb auch eine Taurinsupplementierung sinnvoll sein.
Tryptophan
Tryptophan ist die Ausgangssubstanz für die Bildung des Neurotransmitters
Serotonin und des Epiphysenhormons Melatonin. Serotonin spielt eine wichtige
Rolle für die Regulierung von Stimmung und Sozialverhalten. Die
Serotoninverfügbarkeit im Gehirn hängt in hohem Maße von der
Tryptophankonzentration im Blutserum ab. In zahlreichen Studien, in denen
Versuchspersonen ein tryptophanfreies Eiweißgetränk verabreicht wurde, konnten
anschliessend Veränderungen der Stimmungslage, des Sozialverhaltens etc.
festgestellt werden. Aus diesem Grund kann eine Nahrungsergänzung mit Tryptophan
auch bei Kindern mit Hyperaktivität hilfreich sein, sofern niedrige Tryptophan-
oder Serotoninkonzentrationen gemessen wurden.
Magnesium
Magnesium ist ein wichtiger Antistress-Mikronährstoff, der häufig bei
ADHS-Patienten erfolgreich eingesetzt werden kann. In einer polnischen Studie
konnte durch eine Magnesiumtherapie eine deutliche Verminderung der
Hyperaktivität erreicht werden.
Eisen
Eisen ist an der Synthese von Dopamin und Serotonin beteiligt. Deshalb kann ein
Eisenmangel den Neurotransmittermetabolismus erheblich beeinträchtigen. In einer
französischen Studie vom Juli 2004 konnte eine klare Korrelation zwischen
Eisenmangel und der Ausprägung der ADHS-Symptomatik nachgewiesen werden.
Neuerdings gibt es auch Hinweise, dass ein Eisenmangel die neurotoxischen
Effekte von Blei erhöht.
Zink
Zink spielt eine wichtige Rolle im Neurotransmitterhaushalt. Schon länger ist
bekannt, dass Zink an der glutamatergen und GABAergen Neurotransmission
beteiligt ist. Erst vor kurzem konnte auch nachgewiesen werden, dass Zink die
Antwort der Glycinrezeptoren verstärkt. In verschiedenen Studien erwies sich
Zink sowohl als Monotherapeutikum als auch als Adjuvans zu Methylphenidat als
wirksam zur Verminderung der ADHS-Symptomatik.
Vitamine
Durch eine Kombination aus Vitamin B6 und Magnesium, die zwei Monate lang
verabreicht wurde, konnte eine deutliche Besserung der Symptomatik bei
ADHS-Kindern erreicht werden.
Es gibt derzeit noch keine Studien über einen Zusammenhang zwischen dem
Vitamin-B12- und Folsäure-Status und dem Auftreten von ADHS. Bei allen
psychischen Befindlichkeitsstörungen und Hirnleistungsstörungen ist aber die
Bestimmung dieser Vitamine trotzdem sinnvoll, da erfahrungsgemäß recht häufig
Mängel vorliegen oder die Versorgung nur suboptimal ist.
Vitamin B1 spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel des Gehirns, da die
Neuronen dieses Vitamin für ihre Energieversorgung benötigen. Besonders im
Kinder- und Jugendalter sind die Ernährungsgewohnheiten häufig so, dass
Vitamin-B1-reiche Nahrungsmittel wie Vollkornprodukte nicht sonderlich geschätzt
werden. Stattdessen werden meist Süßigkeiten etc. bevorzugt, die den
Vitamin-B1-Bedarf erhöhen.
Bei Erwachsenen wurde mehrfach nachgewiesen, dass eine Supplementierung mit
Vitamin B1 die Hirnleistung und Stimmungslage verbessert.
Vitamin C spielt aufgrund seiner Beteiligung am Katecholaminstoffwechsel und der
Synthese verschiedener Neuropeptide ebenfalls eine wichtige Rolle für das
Nervensystem. Generell hat Vitamin C einen günstigen Effekt bei psychischen
Stresszuständen.
Die Vitamin-D-Versorgung ist in weiten Kreisen der Bevölkerung, so auch bei
Kindern und Jugendlichen, unzureichend. Vitamin-D-Rezeptoren befinden sich auch
im Gehirn. Es gibt Hinweise, dass Vitamin D an der Regulierung der
Acetylcholinsynthese beteiligt ist sowie an der Bildung neurotropher Faktoren.
Carnitin
In einer niederländischen Studie konnte durch eine Carntin-Supplementierung eine
signifikante Verbesserung der ADHS-Symptomatik erreicht werden. Der
wahrscheinliche Grund ist eine Verbesserung des Energiestoffwechsels der
Nervenzellen.
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Autor: Dr. med. Hans-Günter Kugler, Oktober 2007
www.diagnostisches-centrum.de
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